„Der Mobile Commerce Boom ist nicht mehr aufzuhalten“ – e-challenge Vorrunden Gewinner Benjamin Thym von woabi im Interview
Benjamin Thym ist Geschäftsführer der Checkitmobile GmbH, die die Mobile-Shopping App woabi vertreibt. Mit dieser App kann man den Barcode eines Produktes scannen und sich die besten Angebote aus dem Netz anzeigen lassen. Gleichzeitig kann man das Produkt auch gleich kaufen. Mobile Commerce at it’s best.
NB: Beschreib doch bitte noch einmal kurz, was ihr macht .
BT: Wir machen mobile Shoppingbegleiter. Das heißt, dass man mit seinem Handy Informationen über ein Produkt erhält und es auch gleich kaufen kann.
NB: Und wie genau verdient ihr damit Geld?
BT: Wir bekommen Shoppingprovisionen, wenn jemand über uns kauft.
NB: Wie ist euer Unternehmen entstanden?
BT: Woabi hat sich aus zwei konkurrierenden Unternehmen zusammen getan: Aus barcoo und woabi. Da wir die gleiche Idee hatten und beide auch noch in Berlin ansässig sind, haben wir gesagt: Komm, lass uns doch zusammenschließen, bevor wir anderen den Markt überlassen und uns das Leben schwer machen.
NB: Was war bisher das beeindruckendste Erlebnis, euer größter Erfolg?
BT: Gerade haben wir eine große Kooperation mit dem Drogeriemarkt Schlecker bekannt gegeben. Deren komplettes Sortiment ist jetzt über uns mobil bestellbar. Dass wir ein Unternehmen der klassischen Old Economy, aber doch mit einer hohen und großen Bekanntheit, für die Idee des Mobile Shopping gewinnen konnten, ist ein schönes Erlebnis.
NB: Was waren die größten Herausforderungen auf eurem Weg?
BT: Herausforderungen gibt es immer noch. Wir müssen sowohl die Kunden als auch potentielle Partner davon überzeugen, dass es jetzt endlich so weit ist mit dem Mobile Commerce. Eigentlich wurde der Mobile Commerce Boom schon für das Jahr 2000 vorausgesagt und ist bis dato leider noch nicht eingetreten. Wir glauben aber, dass es jetzt so weit ist und genau davon müssen wir die Leute überzeugen.
NB: Gab es auch kleine Niederlagen?
BT: Wir mussten lernen, dass man das Shopping nicht nur nach dem Scan anbieten kann, sondern dass wir auch klassische Internet-Kataloge brauchen. Das ist aber eigentlich keine wirklich große Niederlage, sondern eher eine Erkenntnis.
NB: Wodurch unterscheidet ihr euch von anderen Ecommerce-Unternehmen? Was macht ihr besser?
BT: Wir sind rein mobil ausgerichtet. Das heißt, wir haben den 100 prozentigen Fokus auf den Mobile Commerce gerichtet. Genau durch diese Konzentration können wir einfach besser sein als andere.
NB: Was glaubt ihr, macht euren Erfolg aus?
BT: Fokus, Fokus, Fokus und ganz gut funktionierende Pressearbeit.
NB: Was braucht ihr, um noch erfolgreicher zu werden?
BT: Zeit, denn der Markt wächst selber noch. Die Nutzer kommen langsam aber sicher auf die Idee, dass man mobil Güter bestellen kann. Der Markt und die Einstellung der Leute sind schon sehr gut, aber es ist noch nicht der Super-Mega-Massenmarkt geworden. Deshalb dürfen die Ansprüche nicht komplett in den Himmel wachsen. Man darf nichts überstürzen und sollte nicht denken, dass der Rentner gleich morgen mit seinem Handy bestellt. Davon kann man sich gleich verabschieden.
NB: Was habt ihr euch für Ziele für die nächsten fünf Jahre gesetzt? Wo wollt ihr hin?
BT: Wir wollen die Konsumenten in die Lage versetzen, dass sie bequem und informiert Kaufentscheidungen überall treffen und auch gleich umsetzen können. Das sind viele kleine Hebel, an denen wir arbeiten: Bessere Informationen, umfassenderes Sortiment, bessere Usability. Die große Vision ist dahinter, dass wir europaweit im Mobile Shopping führend sein wollen.
NB: Wie relevant ist für euch der nicht-deutsche Markt, welche Pläne habt ihr außerhalb von Deutschland
BT: Wir werden im August in die UK und Frankreich starten. Wir haben uns gerade diese Länder aufgrund ihrer Größe und ihrer hohen iPhone Penetration ausgesucht. Außerdem sind wir auch schon ein klein wenig bekannt in England und hatten dort schon eine ganz gute Presse. Da warten dann sogar schon ein paar Leute auf uns. Bei diesen beiden Ländern soll es dann aber natürlich nicht bleiben.
NB: Habt ihr noch ein paar Tipps für andere Startups?
BT: Fokus, Fokus, Fokus und Naivität. Man sollte sich nicht von vermeintlichen alten Hasen von seiner grandiosen Idee abbringen lassen. Nur weil aus unterschiedlichen Gründen etwas Ähnliches nicht funktioniert hat, heißt das nicht, dass diese Geschichte sich in der Form wiederholen muss. Deswegen glaube ich, dass ein kleiner Schuss Naivität wichtig ist.
NB: Was begeistert euch besonders am Ecommerce?
BT: Mich begeistert die Veränderung der bestehenden Handelsstrukturen und die Transparenz des Marktes. So bekommt der Verbraucher immer mehr Macht. Der Kunde kann unabhängige Informationen zu seiner Kaufentscheidung dazu führen. Wenn er einfach nur im Laden kauft, insbesondere ohne Smartphone und ohne unsere Anwendung (lacht), dann ist er der Werbewelt ausgeliefert und hat null Komma null unabhängige Informationen. Deswegen finde ich es schön, dass die Verbraucher die Macht an sich nehmen.
NB: Was seht ihr für Entwicklungen in den nächsten Jahren im Ecommerce?
BT: Die Welten werden sich alle miteinander vermischen. Wenn ich beim lokalen Einzelhändler bin, kann ich durch Anwendungen wie unsere einfach ein Produkt mobil bestellen und den Online-Preis angucken. Oder ich bin daheim und kann mich informieren, was die lokalen Einzelhändler führen. So werden sie durchsuchbar. Das finde ich spannend. Grundsätzlich glaube ich, dass alles social werden wird. Auch wir arbeiten aktuell schon an einer Lösung im Bereich Mobile Social Shopping und ich glaube, der Trend wird sich weiter fortsetzen.
NB: Was erhofft ihr euch von der e-challenge?
BT: Wir möchten gerne Aufmerksamkeit für unsere Vision erzeugen und dadurch relevante Partner kennen lernen. Und wenn wir den Preis gewinnen würden, wäre das natürlich auch sehr schön.
NB: Dann drücke ich euch dafür die Daumen und bedanke mich für das Gespräch.
BT: Ich danke dir.


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