„Der Markt ändert sich – zumindest im Internet – im Wochentakt“ Vorrunden-Gewinner Adrian Haß von Shopotainment im Gespräch

Shopotainment ist der erste Produkt-Interaktionsdienst Deutschlands. Dahinter steckt das Konzept, sich mit Freunden über Produkte, die einem gefallen, austauschen zu können. Mitgründer Adrian Haß gibt den e-challenge-Lesern Einblick in das noch junge Startup und Insights in den Ecommerce Markt.

NB: Beschreib bitte kurz in einem Satz, was Shopotainment macht.
AH: Shopotainment bietet Konsumenten eine Möglichkeit sich mit Anderen spielerisch über Produkte auszutauschen.

NB: Wie ist euer Unternehmen entstanden?
AH: Ich hatte mich interessehalber mit dem Thema Produkt-Empfehlungssysteme beschäftigt. Als dann Sebastian Kurt seine Diplomarbeit zu „Interessenprofilen in virtuellen Identitäten“ am Fachbereich Mathematik & Informatik an der Freien Universität Berlin vorstellte, entwickelte sich in der Diskussion sehr schnell die Idee von Shopotainment. Im Rahmen eines Exist-Gründerstipendiums haben wir gemeinsam zunächst einen Prototypen entwickelt. Zum Jahreswechsel haben wir diesen dann mit einem neuen Produkt-Checkin-Interface nach Vorbild der Location-Checkin-Dienste wie z.B. foursquare versehen und unsere Gründung sowie die Finanzierung vorbereitet.

NB: Wer steckt genau hinter Shopotainment?
AH: Die Haiku Internet GmbH wurde zunächst von mir und Sebastian Kurt im Februar diesen Jahres gegründet. Mittlerweile haben sich daran zwei Business-Angels und die Investitionsbank Berlin über ihr Förderprogramm ProFIT beteiligt.

NB: Was war bisher das beeindruckendste Erlebnis, euer größter Erfolg?
AH: Ein Highlight war auf jeden Fall die Unterschrift unter den Beteiligungsvertrag beim Notar. Es hat uns sehr gefreut, dass es uns gelungen ist, andere von den Erfolgsaussichten unserer Unternehmung zu überzeugen.

NB: Was waren die größten Herausforderungen oder die größte Niederlage?
AH: Im Herbst des letzten Jahres gab es ein gewisses Tief, als die Förderung beendet und noch keine Anschlussfinanzierung in Sicht war. Da standen wir vor der Frage aufzugeben, weiter zu machen wie bisher oder etwas ganz Neues zu beginnen. Wir haben uns dann für’s Durchhalten und einen teilweisen Neuanfang entschieden, was sich im Endeffekt als sehr guter Mittelweg herausgestellt hat.

NB: Wodurch unterscheidet ihr euch von anderen Ecommerce Unternehmen, ganz konkret euren Mitbewerbern? Was macht ihr besser?
AH: Wir finden, dass im Bereich Social Commerce, wie man ja auch an einigen Teilnehmern der e-challenge sieht, sehr viele interessante Konzepte entstehen, die alle einen leicht unterschiedlichen Kernansatz verfolgen. Wir versuchen natürlich unseren Dienst so gut wie möglich zu machen, aber letztendlich wird der gewinnen, dessen Dienst den „Nerv der Konsumenten“ am besten trifft.

NB: Was glaubt ihr, macht euren Erfolg aus?
AH: Von Gründerseite ist natürlich eine gehörige Portion Durchhaltewillen und Begeisterungsfähigkeit notwendig, die aber nicht in Sturheit ausarten darf. Man sollte vielmehr lernwillig gegenüber User-Feedback und interessiert auf neue Markt-Entwicklungen reagieren. Zusätzlich braucht man dann ein heterogenes Team, das gern und produktiv diskutieren kann, danach aber auch mit Spaß an der Arbeit die gemeinsamen Ideen und Visionen umsetzt. Hier glauben wir grade mit den Mitteln aus unserer Investition eine interessante Mischung geschaffen zu haben.

NB: Was braucht ihr, um noch erfolgreicher zu werden?
AH: Zunächst brauchen wir noch etwas Zeit um unseren Relaunch vorzubereiten. Dann geht es vor allem um Nutzer: Neue Nutzer akquirieren, gutes Feedback einsammeln, um den Dienst zu verbessern und hoffentlich mit unseren Produkten auch einige Nutzer zum Kauf inspirieren. Dafür brauchen wir natürlich ein gutes Marketing und ein sehr gutes Produktmanagement. Wenn es dann richtig losgeht, haben wir mit einem unserer Investoren einen sehr guten Partner, was die technische Infrastruktur angeht.

NB: Was habt ihr euch für Ziele für die nächsten fünf Jahre gesetzt? Wo wollt ihr hin?
AH: Zunächst einmal ist es unser Ziel, einen nützlichen und viralen Dienst zu entwickeln, der den Nutzern Spaß macht. Dann wollen wir möglichst schnell internationalisieren und rentabel werden. In fünf Jahren hoffen wir dann, der führende Dienst im Internet zu werden.

NB: Wie relevant ist für euch der nicht-deutsche Markt, welche Pläne habt ihr außerhalb von Deutschland?
AH: Deutschland (ggf. Österreich/Schweiz) ist unser Heimatmarkt, der für sich genommen schon einen guten Boden für die ersten Schritte bietet. Selbstverständlich werden wir uns zunächst darauf konzentrieren, aber langfristig wollen wir schon auch nach ganz Europa und über den großen Teich.

NB: Habt ihr noch ein paar Tipps für andere Startups?
AH
: Durchhalten und an die Vision glauben, aber nicht stur an den ersten Plan halten, denn der Markt ändert sich – zumindest im Internet – im Wochentakt.

NB: Was begeistert euch besonders am Ecommerce?
AH: Wir finden an der Entwicklung der letzten Jahren sehr spannend, dass sich über das Internet in der Kommunikation vom Hersteller zum Kunden der Kreis schließt. Letztendlich wird das zu besseren Produkten und zur besseren Verbreitung von guten, aber bislang unbekannten Produkten führen. Aus Unternehmenssicht ist natürlich die gute Skalierbarkeit der Geschäftsmodelle und die geringe Eintrittshürde ideal für Gründungen.

NB: Was seht ihr für Entwicklungen in den nächsten Jahren im Ecommerce?
AH: Wir sind überzeugt, dass es weiter in Richtung „mündiger Käufer“ gehen wird, sprich: Nicht der mit dem größten Marketingbudget und der besten Kampagne gewinnt, sondern das bessere Produkt. Wir hoffen, dass wir dazu unseren Beitrag leisten können.

NB: Was erhofft ihr euch von der e-challenge?
AH: Auf jeden Fall interessante Gespräche mit den anderen Startups und Anwesenden im Finale. Außerdem glauben wir, dass ein Video ein probates Mittel ist, um in der Anfangsphase die Schlüssel-Nutzer emotional anzusprechen und gleichzeitig sein Produkt zu erklären. Dass dann noch ein Mediabudget zur Ausstrahlung enthalten ist, erlaubt natürlich einen fulminanten Einstieg in den Markt!

NB: Dann wünsche ich euch dafür viel Erfolg.
AH: Danke.

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